Advent im Glücksburger Schloss

 

An unsere Adventsfahrt nach Glücksburg am 11. Dezember 2010 werden wir 40 Schobüller Landfrauen noch lange denken – es war einfach nur schön. Auch hatten wir Glück mit dem Winterwetter, die Straßen waren schnee- und eisfrei, die Besichtigung des liebevoll weihnachtlich geschmückten Schlosses Glücksburg konnte beginnen. Es ging über drei Stockwerke rauf und runter über gut begehbare Herrschafts-Treppenaufgänge bzw. auch über die schmaleren und unterschiedlichen Stufenhöhen der Dienstboten-Treppen. Wir bewunderten u.a. die niederländischen Tapisserien, die flandrischen Ledertapeten, die Gobelins, das schöne Mobiliar, die Deckengewölbe, die Schlosskapelle mit den Deckenfresken aus der Erbauungszeit und die uralten Fußbodenplatten in der Grünen Diele mit noch zu erkennenden Fossilien.

 

Unser „Schlossgeist“ hatte viel zu erzählen und frischte unser Wissen über die sog. Wiege der europäischen Königshäuser wieder auf. Denn der dänische König Christian IX. wurde oft als Schwiegervater Europas bezeichnet, weil drei seiner Töchter in die Königshäuser von England und Russland einverheiratet wurden, der zweite Sohn wurde König von Griechenland und der Enkel König von Norwegen. Darum ist das Haus Glücksburg aus dieser Zeit bis heute mit fast allen großen europäischen Dynastien verwandt.

 

Mit dem Zweiten Schleswigschen Krieg 1864/1865 endete die lange Personalunion von dem dänischen Königshaus und den schleswig-holsteinischen Herzogtümern und das Schloss ging in den preußischen Besitz über. Es blieb bis in das 20. Jahrhundert Hauptwohnsitz der herzoglichen Familie, wurde aber bereits 1922 von der Familie zum Zwecke der Erhaltung in eine Stiftung eingebracht und in ein Museum umgewandelt. Der Name des Schlosses wird übrigens aus dem Wahlspruch des Bauherren Johann III. abgeleitet: „Gott gebe Glück mit Frieden“. Die Buchstaben GGGMF befinden sich über dem Schlossportal.

 

Im Schlosskeller stärkten wir uns mit Kaffee und Torte und waren sehr gespannt auf das Konzert; denn nähere Informationen bekamen wir vorher nicht. Weihnachtliche Posaunenchor-Klänge sorgten schon im Schlosseingang für eine schöne Einstimmung und das faszinierende Ambiente des Konzertsaals – der „Weiße Saal“ - ließen etwas Besonders erahnen. Wir wurden überrascht von einer traumhaften musikalischen Zeitreise durch acht Jahrhunderte. Acht Jahrhunderte deswegen, weil das Glücksburger Rudekloster, aus dessen Steinen das Schloss Glücksburg 1582 erbaut worden ist, 800 Jahre alt geworden wäre.

Pastor Martin Schneider führte uns kompetent und unterhaltsam in Anwesenheit von Prinzessin Elisabeth zu Schleswig-Holstein durch das abwechslungsreiche Programm mit dem Kammerorchester Scheersberg und der Kantorei Glücksburg unter der Leitung von Manfred Plath. Die angekündigte „skandinavische Überraschung“ zum Abschluss des Konzertes trieb vielen von uns die Tränen in die Augen: Schülerinnen der Duborg-Skole in Flensburg traten mit Kerzen in den Händen in den Saal und sangen mit ihren glockenhellen klaren Stimmen „Santa Lucia“ – es war ergreifend und unbeschreiblich schön. Zu unserer großen Freude folgten noch weitere skandinavische Weihnachtslieder, mit denen ein unvergesslicher Konzertabend zu Ende ging.

 

                                                                                                                                     G.O.