Die Schobüller LandFrauen gehen auf Reisen!


Unsere Ziele sind Bamberg, Nürnberg und München. Frühes Aufstehen ist angesagt, und nach einer entspannten Busfahrt erreichen wir am 17. Juni nachmittags Bamberg. Wir machen einen ersten Spaziergang durch die wunderschöne mittelalterliche Stadt und probieren in der Brauerei „Schlenkerla“ das Rauchbier – etwas gewöhnungsbedürftig. Es heißt, dass das dritte Bier (0,5 l!) erst richtig schmeckt. Das haben wir aber vorsichtshalber lieber doch nicht getestet.

 

Am nächsten Morgen lassen wir uns bei gutem Wetter die alte Kaiser- und Bischofsstadt Bamberg von einer tollen Stadtführerin zeigen. Nicht umsonst gehört Bamberg seit 1993 zum Weltkulturerbe der UNESCO mit einem der größten vollständig erhaltenen Altstadtensembles Europas. Wir hören von den drei Stadtteilen – Gärtnerstadt, Inselstadt und Bergstadt sowie von den Gründern des „Fränkischen Roms mit den sieben Hügeln“ Kaiser Heinrich II. und seiner Kunigunde. Wir laufen bergauf und bergab und besichtigen ehrfürchtig den Dom, den Heinrich II. gerne als Kopie des Alten St. Peter in Rom sehen wollte. Auf dem Michelsberg mit der weitläufigen Klosteranlage des ehemaligen Benediktiner Klosters angekommen, sind wir von dem himmlischen Herbarium im St. Michel mit seinen 578 Blumen und Heilkräutern maßlos beeindruckt, genauso wie von der Heilig-Grab-Kapelle, in der der Tod in unterschiedlichen Situationen dargestellt wird wie nirgendwo sonst in Europa.

 

Frohen Mutes starten wir am Sonntagmorgen nach Nürnberg. Unterwegs hat uns der Regen eingeholt, aber pünktlich zu unserer Stadtführung ist es trocken. Im historischen Gewand begrüßt uns Anna und versetzt uns um 500 Jahre zurück in die Reichsstadt Nürnberg. Sie zeigt uns als „Hübschlerin“ Nürnberg zur damaligen Zeit in ihrer freien, frivolen und lebensbejahenden Art, nicht ohne den Blick auf das Heute zu verlieren. Zur damaligen Zeit sind die Dirnen als notwendiges Übel bezeichnet worden und so entstand um 1470 in Nürnberg in der Petersiliengasse das erste Frauenhaus. Anna hat uns auch verraten, dass sie mehr als fünf Freier am Tag haben musste, um überleben zu können. Denn „fünf“ deckten nur ihre Kosten im Frauenhaus. Sie erklärt uns ihre Stellung in der Gesellschaft als „Freie Frau“ und ihr Kostüm. Die gelben Bänder an ihrem Kleid zeigen, dass Anna zu einer Randgruppe gehört. „Gelb“ ist die historisch bedingte Farbe der Randgruppen. Bevor sich Anna zum Ende unseres Ausflugs in die Vergangenheit mit einem Lied verabschiedet, verrät sie uns noch, dass die Muskatnuss und die Petersilienwurzel das Viagra des Mittelalters gewesen sind.

 

Unsere nächste Zwischenstation heißt „Burgthann-Unterferrieden“. Hier sind wir alle zu Kaffee und Kuchen bei Familie Steffens eingeladen und genießen die unübertroffene Gastfreundschaft von Renate und Uwe. Aber es hilft alles nichts, wir müssen uns bald verabschieden; denn München ruft! Wir fahren durch Europas größtes Hopfenanbaugebiet, genannt Holledau und erreichen unser Hotel „Sauerlacher Post“. Ein toller Koch führt in der Küche das Regiment: Die abendlichen Menüs sind spitzenmäßig!

 

Am nächsten Morgen lassen wir uns von unserer Schlossführerin im Schloss Nymphenburg mit seinem 200 ha großen Park in die Welt der bayrischen Kurfürsten und Könige entführen und erobern nachmittags München – die Weltstadt mit Herz – auf eigene Faust.

Nach einigen wenigen Regentropfen am gestrigen Tag scheint heute die Sonne. Wir treffen uns um 10.00 Uhr mit unserer Stadtführerin und fahren durch die Stadt, die einer Großbaustelle gleicht. Unser Busfahrer hat es wirklich nicht leicht. Wir hören, dass die frühere Stadtmauer der heutige Altstadtring ist, der Salz- und Weinhandel München reich gemacht hat, auf dem Rathausdach das Münchner Kindl sitzt und der Name München von Mönch herrührt. Unsere Tour führt an der berühmten Theresienwiese mit der Bavaria vorbei, für die tatsächlich eine Preußin Modell gesessen haben soll. Wir erfahren viel über die Wittelsbacher Dynastie, die 738 Jahre regiert hat, lernen Schwabing vom Bus aus kennen und spazieren durch die „Fünf Höfe“ – einer luxuriösen Einkaufspassage.

 

Nach diesen Eindrücken von der „Radlerhauptstadt“ setzt sich unser Programm fort mit einer herrlichen Fahrt auf dem Starnberger See nach Bernried. Dort wandern wir zum Buchenheim-Museum und sind überrascht von den dortigen vielseitigen Kunstbereichen.

Ganz gemütlich fahren wir durch die wunderschöne Landschaft zurück zum Hotel. Unser letzter Abend bricht an, ein letztes abendliches Beisammensein mit Klönschnack und Lachen und leider Koffer packen.

 

Am 22. Juni genießen wir zum letzten Mal das leckere Frühstück und auf geht’s in Richtung Heimat. Bei Helmstedt, dem alten Grenzübergang nach Berlin, müssen wir eine unfreiwillige vierstündige Kaffeepause machen, weil unser Bus streikt. Aber das Problem wird gelöst, und wir kommen zwar mit Verspätung, aber gesund nach Hause! Es ist eine tolle, interessante und vergnügliche Reise gewesen, die wir alle so schnell nicht vergessen werden.

                                                                                                                         G.O.