Besuch des Wilhelminen-Hospizes in Niebüll

 

 Auf großes Interesse ist unser Angebot gestoßen, schnell waren die 23 Plätze vergeben. Größer darf die Besuchergruppe im Wilhelminen-Hospiz, das seinen Namen nach der im Jahr 1963 verstorbenen Wilhelmine Jessen-Nissen erhalten hat, nicht sein. Die dortigen Räumlichkeiten lassen dies nicht zu. Das ganze Haus, angefangen vom Eingangsbereich, über die Küche, dem Gemeinschaftsraum bis hin zu verschiedenen Terrassen strahlt Ruhe, Frieden und Geborgenheit aus. Hell und freundlich ist es und liebevoll ausgestattet, keine Krankenhausatmosphäre ist zu spüren. Hier halten sich Menschen mit einer fortgeschrittenen unheilbaren Krankheit (austherapiert) auf, deren Pflege und Begleitung zu Hause nicht mehr möglich ist. Es sind auch keine Patienten, sondern Gäste, die sich hier aufhalten, wie uns der Mitarbeiter Herr Baumgardt erklärt. Herzlich und umfangreich werden wir von ihm über die Institution „Hospiz“ informiert, die ein Konzept der Sterbe- und Trauerbegleitung verfolgt.

 

Sieben Gästezimmer stehen zur Verfügung. Seit der Eröffnung im Januar 2011 – es ist das einzige Hospiz in Nordfriesland und das einzige in Deutschland mit einem eigenen Haus - steigt die Nachfrage weiter an. Sehr persönlich werden Schwerkranke und Sterbende auf dem letzten Teil ihres Weges von 20 fest angestellten Hospiz-Mitarbeitern und 40 ehrenamtlichen Mitarbeitern des ambulanten Hospizvereins Südtondern betreut. Alle hauptamtlichen Pflegekräfte haben eine Zusatzausbildung in Palliativ Care. Somit ist eine optimale Betreuung auch mit den ortsansässigen Palliativ-Ärzten gesichert. Individuelle Fürsorge und Zuwendung ermöglichen ein Sterben in Frieden und Würde. Und genauso wird sich auch um Zugehörige wie auch Angehörige gekümmert. Wir haben empfunden, dass diese „Herberge für Wanderer“ (Hospital oder Hospitium nannte man im Mittelalter eine Herberge für Pilger und Reisende) ein Segen für den schwerkranken Menschen bedeutet. Klassenunterschiede gibt es hier auch nicht. Hier ist jeder willkommen, unabhängig von Herkunft und Religion sowie sozialem und finanziellem Status. Wenn alle Voraussetzungen stimmen, zahlen die Krankenkasse und die Pflegeversicherung 90 % der Kosten, 10 % übernimmt das Hospiz, d.h. diese müssen durch Spenden finanziert werden. Je nach Belegung sind dies zwischen 60.000 und 100.000 € im Jahr. Für die Organisation der Spendenfinanzierung ist der „Förderverein stationäres Hospiz“ zuständig.

 

Alle unsere Fragen werden von Herrn Baumgardt und einer freundlichen Schwester offen beantwortet.

Wir erfahren noch, dass die heutige Hospizbewegung im Jahr 1967 in der Nähe Londons begonnen hat und das erste Hospiz in Deutschland 1986 in Aachen gegründet wurde. Nicht vergessen werden darf die wertvolle Arbeit der fünf ambulanten Hospizvereine in Nordfriesland, die mit ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern den Schwerkranken und ihren Angehörigen begleitend und beratend zur Seite stehen.

 

Mit einem herzlichen Dankeschön und einer Spende für das Haus haben wir uns verabschiedet. Nachdenklich, aber positiv beeindruckt von unserem Hospiz-Besuch sind wir weiter zum Waldstübchen „Hof Berg“ in Stadum gefahren, wo uns zur Abrundung dieses besinnlichen, schönen Nachmittags das bekannt leckere Italienische Büfett erwartet hat.

                                                                                                                                 G.O.

 

 

Wir können dem Leben nicht mehr Stunden geben,

aber den Stunden mehr Leben.

 

(aus dem Flyer des Ambulanten Hospiz-Dienstes Husum und Umgebung e.V.)