Unser literarischer Spaziergang mit Renate Folkers

 

Am 18.03. 2013 trotzten 21 Schobüller Landfrauen Schnee und Eis und trafen sich im Haus Kiesselbach zur Lesung mit Renate Folkers.

Zur Einstimmung begrüßte Annegret Appelles die Teilnehmerinnen mit einem Frühlingsgedicht.

 

Frau Folkers hat ihre Wurzeln auch nach „einem elfjährigen Flirt mit dem Weserbergland“ immer noch in Schobüll. Vor fünf Jahren begann sie mit dem Schreiben.

Zunächst las sie uns ihre Gedanken zum „Stress von Gestern“ vor, mit denen sie die Schwierigkeiten der Fahrt in den Norden bei Schnee und Eis beschrieb.

 

Als Vorfreude auf den Frühling hörten wir

 

„Frühlingsanfang“

 

Zufrieden setzte sich der Frühling in seinen Riesenschaukelstuhl, der direkt am Fuße der dicken Wolke „Schau über das Land“, unweit der Himmelpforte stand, schloss die Augen und begann sanft auf den großen Kufen hin und her zu schaukeln.

„Hast du auch an alles gedacht?“, riss die Wolke den Frühling aus seinen Träumen. „Klar“, antwortete der Frühling schläfrig. „Hast du wirklich? Ich meine, hast du den Menschen Glückshormone geschickt, den Vögeln Bescheid gegeben, dass sie ihre Nester vorbereiten, die Zeit zum Paaren und Brüten gekommen ist, Winterdepressionen bei den Menschen fort gefegt, den bunten Krokussen die Füße gekitzelt, den Kirsch- und Apfelbäumen gehaucht, dass . . .“ Die Wolke „Schau über das Land“ unterbrach ihren Redeschwall. Sie hörte, dass der Frühling leise und gemütlich zu schnarchen begonnen hatte. „Wie dumm von mir“, sagte sie zu sich selbst, „er ist doch kein Anfänger“.

 

Es folgte eine kleine Geschichte, die entstand als Tochter und Schwiegertochter gleichzeitig schwanger waren:

 

Auszug:

„Hast du schon einen Namen?“ „Nein, ich werde erst viel später einen Namen bekommen, noch bin ich „es“.

„Und du, wie ist es bei dir?“ "Ich werde morgen einen Namen bekommen schätze ich, denn morgen wird ein Bild von mir gemacht und meine Mama und mein Papa werden wissen, dass ich ein Junge bin. Aber heute bin ich auch noch ein „es“.“

„Willst du ihnen denn schon alles zeigen? Ich meine, damit sie wissen, dass du ein Junge bist? Du kannst doch deine andere Seite zum Licht wenden.“

„Nein, mir ist es lieber, ich zeige was ich habe. Vor allem wird meine Mama dann keine rosa Sachen für mich kaufen. Ich hasse Rosa, das muss ich von meinem Papa haben. Der

hat jedenfalls vor einiger Zeit noch gesagt, rosa sähe schwul aus. Und im Übrigen will ich Mama eine Freude machen. Ihr ist immer so schlecht, so furchtbar schlecht, und ich glaube, dass hat mit mir zu tun. Und übrigens möchten Mama und Papa wissen, ob sie ein Mädchen oder einen Jungen bekommen. Und wie lange planst du ein „es“ zu bleiben?“

 

Weitere Gedichte und Geschichten entführten uns in Phantasiewelten.

 

Zum Abschluss erzählte Renate Folkers uns, wie es kam, dass sie einen Krimi schreibt:

Als sie einem Verleger sieben Seiten einer Krimi-Geschichte präsentierte, bat er sie, weitere Probeseiten zu übermitteln. Nach der Präsentation von 40 Seiten hatte sie einen Vertrag, dass sie 300 Seiten bis Ende November fertig zu stellen hat. Inzwischen sind 80 Seiten davon geschafft – natürlich spielt die Handlung in Schobüll! Der Arbeitstitel lautet „Der Tote hinterm Knick“ und sie las uns die ersten Ermittlungen vor: Es wurde eine männliche Leiche ohne Ausweise etc. gefunden, aber mit der Visitenkarte einer kleinen Pension am Deich in der Jackentasche. Wir sind sehr gespannt auf das Buch!

                                                                                                                                  K.C.